Die offizielle Synopsis beschreibt den Film von Regisseur Philipp Fussenegger als eine Reise durch die Berliner Nächte unterschiedlicher Menschen. Über knapp 100 Minuten begleitet das Publikum elf Protagonisten sowie zahlreiche Nebenfiguren.

Fussenegger betont dabei ausdrücklich, dass er nicht primär das Spektakel habe filmen wollen. Sein Zugang sei nicht der eines Außenstehenden gewesen. Über Jahre hinweg habe er persönliches Vertrauen aufgebaut, weshalb der Film eine „innere Annäherung“ an den Ort darstellen solle. Dieser Anspruch wird jedoch nur bedingt sichtbar. Statt ein vielschichtiges Bild des heutigen KitKatClub zu zeichnen, stellt der Film den Club stark als BDSM- und Fetischort dar. Diese Aspekte gehören zwar zweifellos zur Geschichte und Identität des Clubs, bilden aber schon lange nicht mehr das gesamte Spektrum seiner Realität ab.

Hinzu kommt die große Zahl an Hauptfiguren. Für meinen Geschmack versucht der Film, zu viele Menschen gleichzeitig zu porträtieren. Wer mit der Szene nicht vertraut ist, wird viele Nuancen weder erkennen noch einordnen können. Gleichzeitig nimmt sich die Dokumentation selbst die Möglichkeit, ausgewählte Personen intensiver zu begleiten und ihren Geschichten mehr Raum zu geben.

Auch die Regieerklärung erscheint stellenweise widersprüchlich. Fussenegger beschreibt den KitKatClub als einen Ort, der sich der Dokumentation grundsätzlich entziehe. Kameras würden an der Tür abgegeben, Diskretion sei keine bloße Regel, sondern eine Existenzbedingung des Clubs. Diese Beschreibung wirkt heute nur eingeschränkt zutreffend. Der Club wird seit Jahren von zahlreichen szenefernen Menschen besucht. Wer auf Plattformen wie YouTube nach dem KitKatClub sucht, findet unzählige Berichte, Dokumentationen und Aufnahmen über den Club. Wie es dort aussieht und welche Regeln gelten, ist längst kein Geheimnis mehr.

Eine weitere kreative Entscheidung betrifft die Schwarz-Weiß-Optik. Laut Fussenegger entstand diese zunächst eher zufällig. Später erklärte er in Interviews, die fehlende Farbe löse den Club ein Stück weit aus der Realität und verleihe ihm etwas Märchenhaftes. Für mich geht dieser Ansatz nicht auf. Im Gegenteil: Gerade Licht, Farben und Kontraste gehören zu den prägenden Bestandteilen der Clubkultur. Ihre Reduktion nimmt dem Film eine wichtige Ebene der Atmosphäre. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik wirkt daher eher wie der Versuch, dem Werk zusätzliche künstlerische Bedeutung zu verleihen, ohne dass dies dem erzählerischen Gehalt zugutekommt.

Generell fehlt dem Film eine überzeugende Erzählstruktur. Über weite Strecken hängt die Handlung an ein oder zwei Personen, während andere Figuren nur oberflächlich vorgestellt werden. Dadurch entstehen immer wieder Längen. KitKatClub – Kinks of Berlin ist kein schlechter Film, versucht jedoch zu viele Themen gleichzeitig zu behandeln und bleibt dadurch in vielen Bereichen an der Oberfläche.

Besonders deutlich zeigte sich dies am Premierenabend. Die Darstellerin Lexi äußerte öffentlich Kritik an ihrer Behandlung durch Regisseur und Produktion. Nach ihren eigenen Angaben habe sie mehrfach darum gebeten, nicht im Film vorzukommen, und ihre Zustimmung zur Veröffentlichung zurückgezogen. Während der Diskussion soll dies von Fussenegger mit dem Hinweis auf bereits unterschriebene Verträge beantwortet worden sein. Unabhängig von den rechtlichen Hintergründen wirft dieser Vorfall Fragen auf, die der Film selbst eigentlich thematisieren möchte: Einvernehmlichkeit, Selbstbestimmung und die Kontrolle über die eigene Darstellung.

Der Film erhebt keinen Anspruch auf journalistische Neutralität. Fussenegger erklärt selbst, dass sein Blick subjektiv sei und keine Repräsentativität beanspruche. Problematisch ist jedoch, dass die Dokumentation Kontroversen weitgehend ausklammert. Obwohl sie Themen wie Konsens und Gemeinschaft behandeln möchte, werden Debatten um den Club kaum aufgegriffen. Frühere Diskussionen um die Rolle und Werte des Clubs während der Corona-Zeit oder andere öffentliche Kontroversen bleiben unerwähnt. Auffällig ist zudem, dass die Mitbetreiberin Kirsten Krüger zwar thematisch präsent ist, jedoch selbst nicht zu Wort kommt.

Am Ende bleibt eine Dokumentation zwischen Wunschbild, Selbstverständnis und Wirklichkeit. Sie bietet interessante Einblicke in einzelne Lebenswelten, verpasst es jedoch, die Komplexität des KitKatClub wirklich greifbar zu machen.

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